Wieso Arnsdorf und Oberndorf österreichisch geworden sind

Es sind unruhige Zeiten, hier im Salzburgischen. Vielleicht prügeln sich die Leute deshalb so viel, denkt sich der Lehrer Gruber, während seine Frau Maria die Soutane vom Hilfspfarrer Mohr flickt. Ein Ärmel ist ausgerissen und etliche Knöpfe fehlen, weil der Hilfspfarrer versucht hat, zwei Raufbolde zu trennen. Maria ist die Witwe seines Vorgängers hier im Ort. Er hat sie heiraten müssen, damit er in die Dienstwohnung einziehen kann, die gleich über dem Klassenzimmer im Schulhaus liegt. Das Leben zu zweit ist angenehmer als er gedacht hat, obendrein ist seine Frau eine gute Köchin und näht fleißig. Der Lehrer Franz Xaver Gruber ist seit über zehn Jahren hier an der Schule, inzwischen ist viel passiert, nichts ist mehr wie früher: Wer hätte jemals gedacht, dass Napoleon den Papst verschleppen würde und dass österreichische Truppen nach Bayern einmarschieren, um gegen Frankreich zu kämpfen. Und kurz darauf hat dann Napoleon eine Tochter vom österreichischen Kaiser geheiratet, damit Österreich und Frankreich wieder versöhnt sind. Da soll sich wer auskennen!Nach der großen Niederlage der Franzosen ist also vor zwei Jahren die Salzach als Landesgrenze bestimmt worden. Und seither sind sie hier österreichisch: die große Stadt Salzburg und auch das kleine Arnsdorf, und die Stadt Laufen an der Salzach ist geteilt worden. Oberndorf heißt der Ort jetzt, der auf der österreichischen Seite der Salzach entstanden ist. - Kein Wunder, dass die Leute da rebellisch werden.

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